Anders als oft angenommen, gibt es in Deutschland keine generelle Mindestgeschwindigkeit auf Autobahnen. Allerdings gibt es Vorgaben in der Straßenverkehrsordnung. Diese Regeln gelten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Mit Begriffen wie Höchstgeschwindigkeit und Richtgeschwindigkeit können die meisten Autofahrer auch aus eigenen konkreten Erfahrungen heraus etwas anfangen. Beim Thema Mindestgeschwindigkeit sieht das anders aus. Wir klären auf.

Verkehrsfluss nicht behindern

Den Begriff „Mindestgeschwindigkeit“ findet man in der Straßenverkehrsordnung (StVO) nur mittelbar, wenn es in § 18 Absatz 1 heißt: 

„Autobahnen (Zeichen 330.1) und Kraftfahrstraßen (Zeichen 331.1) dürfen nur mit Kraftfahrzeugen benutzt werden, deren durch die Bauart bestimmte Höchstgeschwindigkeit mehr als 60 km/h beträgt …“. 

Zugelassen sind daher nur Kraftfahrzeuge, die die Mindestgeschwindigkeit von 61 km/h bauartbedingt erreichen können, und zwar auch dann, wenn sie tatsächlich langsamer fahren. 

Dies kann jedoch im Einzelfall zu einem Verstoß gegen § 3 Absatz 2 der StVO führen. Dort heißt es zum Thema „Geschwindigkeit“ ist in Absatz 2:

„Ohne triftigen Grund dürfen Kraftfahrzeuge nicht so langsam fahren, dass sie den Verkehrsfluss behindern.“

Aus diesem Satz ergibt sich nun allerdings keine generelle Mindestgeschwindigkeit. Vielmehr hat sich der Fahrer im Rahmen der vor Ort geltenden Tempovorschrift mit seinem Fahrzeug so zu bewegen, dass er zu einem fließenden Verkehr beiträgt.

Wer also – in Abhängigkeit von der konkreten Verkehrssituation – zu langsam fährt, kann mit einem Verwarnungsgeld in Höhe von 20 Euro sanktioniert werden. Verursachen Fahrer, die ohne konkreten Grund zu langsam unterwegs sind, durch ihre zu geringe Geschwindigkeit einen Unfall, kann ihnen im Einzelfall unter Umständen eine Mitschuld zugesprochen werden. 

In Satz 2 von § 3 Absatz 1 steht zur Anpassung der Geschwindigkeit:

„Die Geschwindigkeit ist insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen.“

Während die Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnisse in der Regel alle Fahrzeuge gleichermaßen betreffen, sodass es dadurch zu keiner gegenseitigen Behinderung kommen sollte, dürfen Fahrer mit einem individuellen triftigen Grund durchaus so langsam fahren, dass sie den Verkehrsfluss behindern.

Dies ist etwa bei Großraum- und Schwertransporten der Fall oder bei geringer Motorleistung eines Oldtimers. Aber auch die persönlichen Fähigkeiten des Fahrers spielen eine Rolle. So ist es ist legitim, wenn z.B. ein Fahranfänger oder ein älterer Verkehrsteilnehmer die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht ausschöpft, auch wenn sich andere Fahrzeugführer dadurch „behindert“ fühlen. 

Vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit durch Verkehrszeichen

Eine Mindestgeschwindigkeit kann für bestimmte Streckenabschnitte durch Verkehrszeichen vorgeschrieben werden. Das Zeichen Nr. 275 zeigt auf einem blauen Kreis mit weißer Schrift die vorgeschriebene Mindestgeschwindigkeit an. 

Verkehrszeichen 275 Mindestgeschwindigkeit
Hier schreibt das Verkehrszeichen eine Mindestgeschwindigkeit von 30 km/h an. ∙ © ADAC

Dieses Verkehrszeichen kommt vor allem dort zum Einsatz, wo überwiegend hohe Geschwindigkeiten gefahren werden und der Verkehrsfluss durch potenzielle Langsamfahrer gefährdet wird. Auch an mehrspurigen Steigungsstrecken stehen diese Zeichen, oft mit aufsteigendem Tempo von rechts nach links gestaffelt – vor allem, um das Risiko von Auffahrunfällen zu minimieren. Wer eine dieser Spuren mit einem Kraftfahrzeug befährt, das die dort angezeigte Mindestgeschwindigkeit nicht erreichen kann oder darf, muss mit einem Bußgeld von bis zu 35 Euro rechnen. 

Mindestgeschwindigkeit in europäischen Ländern

In Österreich schreibt die dort geltende StVO ähnlich wie in Deutschland vor, dass Kraftfahrzeuge auf Autobahnen technisch in der Lage sein müssen, eine Geschwindigkeit von 60 km/h zu erreichen. Auch bei unseren Nachbarn im Süden muss ein triftiger Grund vorliegen, auf Autobahnen deutlich langsamer unterwegs zu sein. Gründe können etwa die Witterungs-, Straßen- oder Verkehrsverhältnisse sein. 

Seit dem 1. Januar 2016 gilt auf Schweizer Autobahnen für die linke Spur auf drei- oder mehrspurigen Autobahnen eine Mindestgeschwindigkeit von 100 km/h. Dort fahrende Fahrzeuge müssen also mit minimal 100 km/h unterwegs sein. Diese Maßnahme soll zur Verbesserung des Verkehrsflusses führen.  

Mindestgeschwindigkeit auf Autobahnen

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